Buchpräsentation: Orient und Okzident! ‒ "Ein Traum wird Wirklichkeit"

"Orient und Okzident: Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten". Jetzt als Buch... 24 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, ca. 780 Seiten, 40 Abbildungen. Die Präsentation findet am 30.11.2016 in den Räumlichkeiten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften statt. Kindheit und ein alter Traum (Istanbul, Hamburg etc., Wien) Sie werden sich fragen, was motiviert mich so sehr, diesen Verlag mit seiner spezifischen Verlagsphilosophie voranzutreiben? Ich will darauf einfach antworten: Wer denn sonst kann so ein Projekt vorantreiben als ein Austro-Türke und austro-türkischer Unternehmer, der in Istanbul, dem alten Konstantinopel, geboren ist? Ich beziehe mich auf den Untertitel unseres neuen Buches: "Begegnungen und Wahrnehmungen aus fünf Jahrhunderten" und möchte Ihnen aus persönlichen Erfahrungen diese Begriffe näher bringen. Lassen Sie mich etwas weiter ausholen: Bereits als Kind wurde ich im alten Bezirk Sisli in Istanbul mit den Welten des Orients und des Okzidents vertraut, die für mich ganz normal und allgegenwärtig waren und sich zuerst als eine einzige Welt darstellten. Zuerst erstaunte es mich, dann verwirrte es mich, bis ich mich später immer tiefer mit der Geschichte und den komplizierten Zusammenhängen vertraut machte. Bereits als Kind blickte ich zum Beispiel auf die uralte, über 30 Meter hohe Konstantins-Säule aus dem vierten Jahrhundert, die wie eh und je im Zentrum von Istanbul auf dem tief darunterliegenden Kaiserforum steht. Die Geschichte des ersten christlichen römischen Kaisers ist mir von Klein an vertraut, wenn ich die Zusammenhänge natürlich erst später verstanden habe. Ich lief als kleines Kind besonders mit meiner Großmutter zu den historischen Stätten und zu den mit Leben und Mystik erfüllten Gotteshäusern: den alevitischen Cem-Häusern, den orthodoxen Kirchen, den muslimischen Moscheen, der jüdischen Synagoge. Wir sind dort überall hineingegangen. Es war ganz normal, sich das alles anzusehen und teilweise auch an den Gottesdiensten teilzunehmen. Später ging meine Familie nach Hamburg und Kiel, also ganz in den Norden Deutschlands. Ich muss sagen, dort hat es mir auch ganz gut gefallen. Umso mehr lernte ich die großen Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten kennen. In Istanbul war ich in einer sehr orthodox griechischen, kirchlichen Umgebung, mit vielen Ikonen geschmückt, wo ich mich auch als muslimisches Kind zuhause gefühlt habe. Dadurch war Hamburg, mit seinen leeren, protestantischen Kirchen sehr fremd für mich. Meine Wahrnehmung hat sich dadurch total verändert. Auch Zürich in der Schweiz lernte ich kennen. Aber Wien hat mich dann doch am meisten angezogen und so bin ich nun begeisterter Wiener. In Wien fühle ich sowohl Okzident als auch Orient, Westen und Osten, Christentum und Islam. Mittlerweile zum Österreicher geworden, verspüre ich auch hier in Wien viele byzantinische und konstantinische Elemente unter den vielen Kulturen, die das Stadtbild prägen und geprägt haben. Man denke nur an den Wiener Jugendstil, der Anleihen an der byzantinischen Kunst und der Kunst der Osmanen genommen hat. Gustav Klimt ließ sich vom byzantinischen Stil der Goldenen Stadt genauso inspirieren wie Otto Wagner, dessen Kirche am Steinhof zu den prächtigsten Architekturjuwelen Wiens zählt. Ich habe mich schon sehr früh für das Christentum, dessen Wurzeln ja auch in der heutigen Türkei liegen, interessiert. Für den Propheten Jesus, für den Völkerapostel Paulus aus Tarsus (Antiochia/Antakya) und den Apostel Petrus und nicht zuletzt auch die Mutter von Jesus, Maria, die in Ephesus ein Heiligtum hat. Auch die vielen Konzile interessieren mich. Zu diesen interessanten Personen und Ereignissen veröffentlichte ich mehrere Artikel in verschiedenen Medien, was man von einem Muslim und gelernten Elektrotechniker sicherlich weniger erwarten würde. Ich persönlich fühle mich einfach als ein Muslim - ich selbst bin Alevite -, der sowohl sein "Muslim-Sein" bewahren, als auch sich in der Gesellschaft positiv einbringen will. Ein spirituelles Leben zu führen, muss nicht ein Widerspruch zum modernen Leben sein. Wie Jesus sagt: "Man erkennt den Baum an seinen Früchten." Und genau das gilt hier auch: Egal welche Religion man hat, man kann und soll trotzdem "in der Welt" leben, also sich den Problemen stellen und sich in die Gesellschaft einbringen.