Buchpräsentation im Palais Eschenbach

30. November. 2014 / 14:36

„Das Burgenland als Internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“     von Deniz Sel

Wien / Palais Eschenbach.  Rund 100 Gäste füllten die Beletage im Palais Eschenbach. In Vertretung der Hausherrin KommR Margarete Kriz-Zwittkovits begrüßte Mag. Stephan Blahut die Gäste und übergab das Wort dem Vizepräsidenten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Univ.-Prof. i.R. Dr. Arnold Suppan, der mit persönlichen Erinnerungen über den „Eisernen Vorhang“ fortsetzte und den großen Rahmen der Buchpräsentation absteckte, die das Ergebnis einer Tagung im Jahre 2011 ist, als das Burgenland sein 90jähriges Bestehen gefeiert hatte. Diese Tagung war von der Akademie der Wissenschaften organisiert worden. Die damaligen Vorträge flossen in den vorgestellten Band ein und zeichnen das Bild dieser internationalen Grenzregion in seinen vielschichtigen und komplexen Zusammenhängen.

Dem engagierten Verleger Dipl.-Ing. Birol Kilic wurde von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aus den Händen von Univ.-Prof. Suppan eine Ehrenurkunde überreicht. Der Neue Welt Verlag bedankte sich seinerseits bei allen Beteiligten mit Urkunden und silbernen und goldenen Medaillen mit symbolischen Darstellungen der Sehenswürdigkeiten von Wien und unterstrich damit die erfolgreiche Zusammenarbeit im letzten halben Jahr während der Drucklegung und in der Vorbereitung der Veranstaltung.

Birol Kilic dankte besonders Dr. Maximilian Graf und Dr. Karlo Ruzicic-Kessler, auch für die redaktionelle Begleitung während der Drucklegung und gratulierte Maximilian Graf zur jüngsten Promotion zum Doktor der Philosophie.

Die Autoren des neuen Bandes über das Burgenland, der die erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung der Geschichte des Burgenlandes ist, sind Richard Lein, Klaus Koch, Karlo Ruzicic-Kessler, Bettina Hofmann, David Schriffl, Maximilian Graf, Barbara Lass, Philipp Strobl und David Pruonto. Herausgeber sind Maximilian Graf, Alexander Lass und Karlo Ruzicic-Kessler.

Anschließend erläuterte Birol Kilic, wieso der Neue Welt Verlag das Buch in den Druck bringen wollte. Der Neue Welt Verlag verstünde sich als Brückenbauer zwischen Orient und Okzident, zwischen den Religionen und Kulturen, mit gegenseitigem Respekt und unter Achtung der jeweils eigenen Würde. Der Verlag versuche, den Menschen bei der Suche nach dem richtigen Weg zu helfen: Woher komme ich? Was ist der Sinn des Daseins? Wohin gehen wir? – diese Fragen sollte sich jeder stellen. Es gehe um nichts mehr oder weniger, als um die Zukunft eines jeden Menschen.

Darüber hinaus stellen sich die Menschen viele Fragen und es scheint, dass selbst trotz oder wegen der modernen Wissenschaft immer mehr Fragen offen bleiben.  „Um das Jetzt und die Zukunft in Frieden meistern zu können, müssen wir die Vergangenheit verstehen“, so Kilic. Um Frieden in der Welt zu erreichen, sei es nötig, erst Frieden im eigenen Haus zu schaffen. Schrittweise kann so der Friede in die Welt hinausgetragen werden.

Österreich ist natürlich heute sehr klein, aber es hat – gemeinsam mit seinen Nachbarn – eine große Vergangenheit. So ist es die Österreichische Idee, die das Zusammenleben vieler Völker unter einem Dach nicht als Illusion sieht. Es ist diese Österreichische Idee, die später zur Europäischen Idee wurde. Friede im Inland, Friede im Ausland!

Der Neue Welt Verlag ist stetig auf der Suche nach Fachbüchern zu den Themen Geschichte, Kultur, Religion, Wirtschaft, Migration, Alltag und Gesellschaft. Das Leitmotiv des Verlags ist es, kulturelle Schranken zu überwinden, damit Hass und Intoleranz bekämpft und überwunden werden können.

Als Verleger von Literatur und Magazinen (Yeni Vatan Gazetesi, Einspruch) ist es Birol Kilic ein Anliegen, gegen Scheinheiligkeit und Falschheit aufzutreten. Mit seinem sehr engagierten Team will der Unternehmer die Begegnung und Kommunikation zwischen den Völkern und Kulturen fördern und Vorurteile zwischen den Menschen abbauen. Kurz: Geistige Brücken bauen! Der Neue Welt Verlag legt großen Wert darauf, dass die Artikel nicht den Odem akademischer Kopflastigkeit versprühen, sondern auch für den historisch weniger versierten Laien leicht verständlich gelesen werden können. Denn Jubiläumsbände einer ganzen Region sollen ja schließlich auch breitere Bevölkerungsschichten als jene des akademischen Elfenbeinturms ansprechen. Diese Gratwanderung scheint geschafft worden zu sein, so konnte man wenigstens in den anschließenden Gesprächen am Buffet hören, während die 9 Autoren fleißig die Bücher signierten.

Mit der jüngsten Publikations-Festveranstaltung „Das Burgenland als internationale Grenzregion“, in Zusammenarbeit mit der Historischen Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ist der Neue Welt Verlag offenbar seinem Ziel einen Schritt näher gekommen. Die Gäste waren begeistert von der Professionalität der Vorstellung und Moderation, wie auch die vielen nachfragenden und ergänzenden Diskussionsbeiträge bewiesen. Moderator Otmar Lahodynsky ( Zeitschrift PROFIL) hatte gemeinsam mit den Autoren alle Hände voll zu tun, alle Fragen des interessierten Publikums seriös zu beantworten. Was auch sehr gut gelang.

Die Geschichte des Burgenlandes im 20. und 21. Jahrhundert ist tatsächlich auch die einer internationalen Grenzregion: Von der „Burgenlandnahme“, über die Nachbarschaft in der Zwischenkriegszeit bis zum „Dritten Reich“ – und vom „Eisernen Vorhang“, über die Grenzöffnung 1989 bis zur Binnengrenze im Schengen-Raum der Europäischen Union – hatten zahlreiche Zäsuren seit dem Ersten Weltkrieg direkte Rückwirkungen auf das Burgenland. Diese prägten auch den Charakter seiner Außengrenze. Mehrmals, nicht zuletzt 1956 und 1989, wurde sie auch zum Schauplatz zentraler, damit in Verbindung stehender Ereignisse. Dies lässt das Burgenland und seine Grenze gleichsam als Fokus europäischer Geschichte erscheinen.

Der nunmehr vorliegende, im Neue Welt Verlag erschienene Sammelband mit dem Titel „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ bietet einen Überblick über die wechselvolle Geschichte des Burgenlandes als Grenzregion. In diesem werden bisher unbekannte Fakten – sowie auch neue Interpretationen – einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Ausdrücklich wollten die Herausgeber keine reine Regionalgeschichte bringen. Viel mehr wollten sie gemeinsam mit den AutorInnen die Entwicklung der Außengrenze des Burgenlandes vom Ende der Monarchie bis in unsere Tage hinein – im Kontext der wechselvollen bilateralen und internationalen Entwicklungen der vergangenen fast 100 Jahre beleuchten. In chronologischer Abfolge analysieren die Autoren in durchleuchtenden Querschnittsfragestellungen die exponierte Lage des Burgenlands an einer sich in ihrem Charakter mehrfach verändernden Grenze. Die zahlreichen Wandlungen an der burgenländischen Außengrenze im 20. und 21. Jahrhundert werden nicht zu Unrecht als ein Fokus der europäischen Geschichte bezeichnet. Heute gehört das Burgenland zum Zentrum eines geeinten Europas, gerade deshalb scheint es anlässlich seines 90jährigen Bestandes geboten, auf die wechselvolle Geschichte dieser Grenzregion im Kontext der internationalen Entwicklungen zurückzublicken. Vielleicht kann dieser Band auch dazu beitragen, hartnäckig bestehende „Grenzen im Kopf“ nachhaltig zu überwinden!

Unter den Gästen fanden sich neben anderen prominenten Persönlichkeiten auch der renommierte Philosophieprofessor Prof. i.R. Dr. Norbert Leser und der Intendant von „Art Carnuntum“, Piero Bordin, nebst charmanter Begleitung. Auch der österreichische Botschafter Klaus, selbst aus dem Burgenland abstammend, hat mit Interessentanten Anekdoten die Buchpräsentation bereichert und ihr damit eine große Ehre erwiesen.

 

Buch-Kurzdarstellung

Im Jahr 2011 feierte das kurz nach der Ausrufung der I. Republik konstituierte und wild umstrittene Burgenland sein 90-jähriges Bestehen. Seiner wechselhaften Geschichte ging eine Tagung „Das Burgenland als internationale Grenzregion im 20. und 21. Jahrhundert“ der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, gemeinsam mit StudentInnen der Universität Wien nach. Der Tagungsband der zahlreichen Vortragenden, die die neuesten Forschungsergebnisse – aus ausländischen Archiven und Dokumenten sowie aufgrund Zeitzeugen-Interviews – vorstellen, ist im Neue Welt Verlag erschienen.

Die Beiträge zeichnen die Entwicklung von der „Burgenlandnahme“, über die Nachbarschaft mit Ungarn, der Tschechoslowakei und Jugoslawien in der Zwischenkriegszeit bis zum „Dritten Reich“ (Verfolgung u.a. der Roma und Sinti, Grenzwall gegen die Rote Armee, Fluchtbewegungen etc.) und vom „Eisernen Vorhang“, über die Grenzöffnung 1989 (Paneuropa-Picknick) bis zur Binnengrenze im Schengen-Raum der Europäischen Union nach. Auch die Auswanderung nach Amerika – die ersten Burgenländer siedelten sich zumeist in Chicago an – wird in dem auch für Laien leicht verständlichen und mit seltenen historischen Bildern aufgelockerten Aufsatzband behandelt. Zahlreiche Anmerkungen und Internet-Verweise ergänzen die Artikel und machen das Buch damit auch für akademische Burgenland- und Migrationsforscher sowie Genealogen aus Übersee unentbehrlich.

Schauplatz Burgenland – Einstmals Teil des Königreichs Ungarn, hatten nahezu alle weltgeschichtlichen Umbrüche seit dem Ersten Weltkrieg direkte Rückwirkung auf das zuletzt erworbene Bundesland der Republik Österreich und den internationalen Charakter seiner Außengrenze.
Infolge der beiden Restaurationsversuche Kaiser Karls 1921, der Besatzung durch die UdSSR bis 1955, des Ungarn-Aufstandes 1956 und der Wende 1989 – man denke nur an die Bilder der ersten DDR-Flüchtlinge, die um die Welt gingen – wurde seine Grenze zum Schauplatz realpolitischer Dramaturgie. Eine Grenze, die zeitweise als „grüne Grenze“ zahlreichen Ostblock-Flüchtlingen ein Fenster in die Freiheit öffnete, aber ebenso auch alle Perversionen, Absurditäten und Tragödien des „Eisernen Vorhangs“ in sich vereinte – geteilte Ortschaften, auseinandergerissene Familien, Stacheldrahtverhaue und Tretminen, Warengüter- und Menschen-Schmuggel, Konsumtourismus, spektakuläre Papst-Messen mit Johannes Paul II. Dies alles machte das Burgenland mit seinem „Antikapitalistischen Schutzwall“ gleichsam zu einem Fokus europäischer Geschichte zwischen den Machtblöcken NATO und Warschauer Pakt, während sich im jungen 21. Jahrhundert das einstige EU-Fördergebiet zu einer wirtschaftlich prosperierenden Region mit einer sehr positiven Perspektive entwickelt hat (Tourismus, Technologie, Weinanbau, Gastronomie).
 

Das Fachbuch versammelt im ersten Abschnitt sechs Beiträge, die sich in chronologischer Reihenfolge mit der Geschichte der burgenländischen Außengrenze im 20. Jahrhundert widmen. Dem landesspezifischen Phänomen der Migration wird in einem weiteren Abschnitt mit zwei Aufsätzen Rechnung getragen. Ein abschließender Kommentar reflektiert die vorliegenden Ergebnisse und stellt durch einen Ausblick auf die jüngsten Veränderungen der Grenzregion Burgenland bis ins 21. Jahrhundert den Bogen zur Gegenwart her.

Aus dem Inhalt:

Die burgenländische Außengrenze im 20. und 21. Jahrhundert
Die „Burgenlandnahme“ 1919–1924 (Richard Lein)


Eine Grenzregion als Teil einer Nachbarschaft – Das Burgenland in der Zwischenkriegszeit (Klaus Koch)


Das „Burgenland“ im Zweiten Weltkrieg (Karlo Ruzicic-Kessler)


Grenze zu Ungarn 1956: Der Stacheldraht fällt(Bettina Hofmann)


Am Eisernen Vorhang:  Das Burgenland und die slowakische Grenze 1945–1968 (David Schriffl)


Die Welt blickt auf das Burgenland 1989 – Die Grenze wird zum Abbild der Veränderung(Maximilian Graf)


 Über Grenzen hinweg...


Die Amerikaner und die Burgenländer – eine besondere Geschichte(Barbara Lass)

„Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben“ Die burgenländische Amerikawanderung der Zwischenkriegszeit (Philipp Strobl)

Kommentar und Ausblick: 90 Jahre Burgenland – Von der Grenze zur Mitte Europas(David Pruonto)



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